Wasserfilter: effektiv oder Spielerei?

In Deutschland zählt das Trinkwasser zu den Lebensmitteln, die am besten und intensivsten kontrolliert werden. Trotzdem kauft ein Großteil der Verbraucher das Trinkwasser, in Form von Mineralwasser, in Flaschen. Ein kleinerer Anteil filtert das Leitungswasser, um eine bessere Qualität zu erhalten. Dahinter stehen meistens Bedenken um die eigene Gesundheit durch Nitrate des Grundwassers, Pestizide aus der konventionellen Landwirtschaft, Blei aus alten Rohrleitungen oder Rückstände von Hormonen aus der Tiermast. Auch die, mit zahlreichen Begleitstoffen versehenen, Abwässer von Industrieunternehmen und privaten Haushalten, machen den Verbrauchern Gedanken. Viele Verbraucher sehen das Filtern des Wassers als eine geeignete Maßnahme für eine bestmögliche Wasserqualität. Doch was können Wasserfilter im Haushalt wirklich leisten?Trinkwasserkontrollen geben Entwarnung

Grundsätzlich hat das Leitungswasser in Deutschland eine sehr hohe Qualität. Diese wird auch beständig kontrolliert, da das Leitungswasser der Trinkwasserverordnung unterliegt. Die einzelnen Wasserwerke filtern aus dem Wasser bereits mögliche Schadstoffe heraus, bevor es überhaupt in Richtung Verbraucher fließt. Die Stiftung Warentest hat im Sommer 2016 bei Rückstandsanalysen keinerlei Pestizide oder Hormone im Leitungswasser gefunden. Zwar zeigen sich im Trinkwasser teilweise sehr geringe Mengen an Rückständen aus Medikamenten, doch diese fallen so minimal aus, dass – nach Aussagen der Verbraucherzentrale des Landes Nordrhein-Westfahlen – kein Grund zur Beunruhigung hinsichtlich eines Gesundheitsrisikos besteht. Allerdings ist die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser nur bis zum eigenen Hausanschluss gewährleistet. Vor allem in Altbauten können alte Kupfer- oder Bleirohre das Wasser belasten. Für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, Stillende und Senioren kann dies gesundheitlich schnell zu einer Gefahrenquelle werden.

Filterarten im Fokus

Es gibt unterschiedliche Arten von Filtern. So gibt es eine Unterscheidung in der Beschaffenheit und in der Arbeitsweise einzelner Filter. Meistens versprechen die Hersteller, das Wasser von Kalk, Bakterien und Schadstoffen zu befreien. Aktivkohlefilter, Inonenaustauscher und Umkehrosmose-Filter arbeiten jeweils individuell.

Aktivkohlefilter

Nutzung: als Tischfilter mit Aktivkohle oder Filter zum Einbau unterhalb der Spüle
Filtermöglichkeit: Pflanzenbehandlungsmittel und Medikamente, aber Kalk, Nitrat und Blei können nicht rausgefiltert werden
Gefahr: sehr hohes Risiko von Mikroorganismen, da Aktivkohle einen guten Nährboden bietet, wenn der Filter länger nicht benutzt wird oder sich noch Wasser im Behälter befindet
Nutzungsbegrenzung: schwer erkennbar, ist der Filter erschöpft ist, können dort angesammelte Stoffe konzentriert ins Wasser abgegeben werden
Expertenurteil: Die Stiftung Warentest konnte 2014 keinen der getesteten Tischfilter (Preisklasse bis maximal 185,- €) als empfehlenswert einstufen; die Qualität des frischen Leitungswassers aus dem Wasserhahn war deutlich sicherer

 

Ionenaustauscher

Nutzung: Ionen mit gleicher Ladung werden ausgetauscht, zentral angebrachte Ionenaustauscher-Anlage für die komplette Hausversorgung oder als Tischfilter über Patronen
Filtermöglichkeit: positiv geladene Calcium- und Magnesium-Ionen aus hartem, kalkhaltigem Wasser werden durch positive Natrium-Ionen ersetzt, ebenso können die Ionen bei Nitrat und Blei durch Natrium und Chlorid ersetzt werden
Gefahr: sehr hohes Risiko der Verkeimung der Geräte
Nutzungsbegrenzung: schlechte Überprüfbarkeit der Wechselnotwendigkeit des Filters und damit verbundene Gefahr der konzentrierten Abgabe von zurückgehaltenen unerwünschten Ionen ins gefilterte Trinkwasser
Expertenurteil: Die Verbraucherzentrale Hamburg weist auf die Unzuverlässigkeit der Anzeigen für einen Filterwechsel hin und die damit verbundene Gefahr irgendwann mehr Schadstoffe zu sich zu nehmen; die Filterpatronen sind ökologisch bedenklich, da nicht recyclebar

 

Umkehrosmose-Filter

Nutzung: in der Filteranlage wird, über elektrische Pumpen, das Leitungswasser durch eine Membran, mit einseitiger Durchlässigkeit, gepresst
Filtermöglichkeit: Wasser in extremer Reinheit, Herausfiltern von Nitraten, Schwermetallen, Phosphaten, Pflanzenbehandlungsmitteln und Schädlingsbekämpfungsmitteln ist möglich
Gefahr: wichtige Mineralstoffe des Leitungswassers, wie Calcium und Magnesium, können ebenfalls herausgefiltert werden, Anfälligkeit der Membran für Verkeimung
Nutzungsbegrenzung: Filterart ist kostenintensiv und eignet sich weniger für den privaten Haushalt, Nutzung häufig in Laboreinrichtungen oder Raumfahrtzentren
Expertenurteil: Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht gehen dem Wasser wertvolle Mineralstoffe verloren, zudem ist der Aufwand ökologisch betrachtet sehr hoch, denn rund drei Liter frisches Wasser aus der Leitung ergeben nur rund ein Liter gefiltertes Wasser

 

 

Bei genauer Betrachtung der unterschiedlichen Filtersysteme ist das Ergebnis ernüchternd und die Anschaffung eines Wasserfilters sollte vorab sorgfältig abgewogen werden.