Keine Lebensphase ist so prägend, wie die ersten Lebensjahre. Dies gilt auch, wenn es sich um die Entwicklung von Vorlieben für Lebensmittel und Getränke handelt. Die meisten Getränke, die im Handel fertig angeboten werden, sind als Durstlöscher zu süß und liefern dem Körper, nebenbei getrunken, zusätzliche unnötige Kalorien. Wer seine Kinder bereits in jungen Jahren an das Wassertrinken gewöhnt,kann hiermit späteren Problemen einer Gewichtszunahme vorbeugen. Bereits 60 Prozent der Weltbevölkerung gelten gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als übergewichtig oder sogar krankhaft adipös.

Ausbildung von geschmackliche Präferenzen

Bereits im Mutterleib findet die erste Prägung zu einigen Geschmacksvorlieben statt. Isst oder trinkt die Mutter intensiv schmeckende Speisen oder Getränke, zeigen sich beim noch ungeborenen Kind in den letzten Schwangerschaftswochen deutliche Gefühlsregungen. Gleich nach der Geburt regieren Säuglinge durchweg positiv in ihrer Mimik und Gestik auf den süßen Geschmack und süßlichen Geruch. Die Vorliebe für Süßes ist angeboren. Ebenso ist die Abneigung für bitter schmeckende Speisen und Getränke angeboren. Dies hat rein evolutionsbedingt seine Berechtigung. Süß schmeckende Früchte der Natur waren eine gesunde und energieliefernde Nahrungsquelle für unsere Vorfahren. Damals war die Energieaufnahme ein wichtiger Überlebensfaktor. Dagegen Bitterschmeckendes aus der Natur, wie einige Beeren oder Pilze, erwiesen sich als ungenießbar oder sogar giftig. Die Vorliebe für bittere Speisen oder Getränke wird erst im Laufe des Lebens erlernt.

Vorliebe für Wasser steigern

In jungen Jahren ist die Wahrnehmung des Geschmacks noch deutlich intensiver. Daher ist es ratsam, Speisen und Getränke für Kinder nicht unnötig zu süßen, zu salzen oder zu würzen. Kinder können nur für die Speisen und Getränke Vorlieben entwickeln, die sie wiederholt angeboten bekommen. Dabei spielt das Vorbild der Eltern oder Erzieher im Kindergarten eine große Rolle. Wenn Wasser trinken als selbstverständlich vorgelebt wird, werden Kinder einfacher einen Zugang dazu finden, das pure, wenig intensiv schmeckende, Wasser zu mögen. Die besten Durstlöscher für Kinder sind Wasser und ungesüßte Früchte- oder Kräutertees. Wenn Kinder pures Wasser ablehnen, sind rote Früchtetees eine prima Alternative, denn Kinder lieben Farben. Auch ein kleiner Schuss purer Fruchtsaft ins Wasser kann, rein optisch und geschmacklich, die Lust aufs Wassertrinken steigern. Vor allem für jüngere Kinder kann es sehr entscheidend sein, wie ihnen Wasser präsentiert wird. Ein Lieblingsglas oder ein bunter Becher, eine Trinkflasche mit einem tollen Motiv, eine Wasserzapfstation oder ein Trinkwassersprudler in der Küche verknüpfen das Wassertrinken mit positiven Reizen und Aktionen. Dies erhöht ebenfalls die Freude am Trinken von purem Wasser.

Wer Wasser trinkt, sorgt vor

Die European Association for the Study of Obesity (EASO) gibt pures Wasser als den besten Durstlöscher für Kinder an. In Europa decken Kinder und Jugendliche bisher ihre tägliche Flüssigkeitszufuhr nur mit weniger als der Hälfte durch Trink- oder Mineralwasser. Dabei wäre Wasser als Getränk ein ganz einfaches Plus für die Gesundheit. Die sogenannte DONALD Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed) untersucht das Ernährungsverhalten im Kindesalter und seine Auswirkungen bis hin zum Erwachsenenalter. Die Studie startete bereits in den 80er Jahren am Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) und ist inzwischen am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn beheimatet. In der Studie zeigten sich immer wieder Hinweise auf die frühe Prägung des Trinkverhaltens. Werden Limonaden, Cola-Getränke, gesüßte Eistees oder fertige Smoothies als Durstlöscher eingesetzt, so führt die erhöhte Energiezufuhr unweigerlich zur Gewichtszunahme. Wer frühzeitig an das Wassertrinken herangeführt wird, kann späteren Gewichtszunahmen entgegenwirken.

Ein Tipp für mehr Spaß am Wassertrinken: Für Kinder kann das Wassertrinken zum Erlebnis werden, wenn das Wasser immer wieder neu entdeckt wird. Der Trend zum „Infused Water“ sorgt für viel Abwechslung. Mit kleinen Obststücken oder ein paar Blättchen von Minze oder Zitronenmelisse im Wasserkrug wirkt das Wasser optisch spannend und schmeckt für Kinder interessanter.