Geschmacksverstärkende Wirkung: Das Wasserglas entscheidet

Die Geschmackswahrnehmungen bei Getränken sind häufig sehr stark mit Qualitätsmerkmalen verbunden, die letztendlich auch einen enormen Einfluss auf den Konsum haben. Die Wahrnehmung des Geschmacks kann jedoch von ganz unterschiedlichen zusätzlichen Faktoren beeinflusst werden. Dass ein Weinglas den Geschmack des Weines beeinflusst, wird häufig angeführt – aber kann diese These auch auf den relativ neutralen Geschmack des Mineralwassers übertragen werden? Experten sagen ja, die Glasauswahl hat einen Einfluss auf den Geschmack beim Wassertrinken.

Sensorische Wahrnehmungen

In der klassischen Sensorik wird zwischen den Grundgeschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami entschieden. Umami – noch nicht gehört? Umgangssprachlich kann umami mit „herzhaft-brühig“ umschrieben werden. Zudem werden in der Wissenschaft zwei weitere mögliche Grundgeschmackswahrnehmungen diskutiert: der eiweißhaltige Geschmack nach Aminosäuren und die Wahrnehmung von Fett. Neben den Grundgeschmackswahrnehmungen, die die Zunge verarbeiten kann, gibt es unbegrenzte zusätzliche Attribute, die Geschmackswahrnehmungen beschreiben. Die Liste der sensorischen Attribute von Weinen, Frucht- oder Gemüsesäften ist beispielsweise unbegrenzt und reicht von fruchtig-milden bis zu intensiv-kräftigen Ausprägungen. Bei Mineralwässern ist die Anzahl der Attribute, mit denen der Geschmack beschrieben werden kann, zwar überschaubar, aber dennoch einordbar. Zudem werden neben dem Geschmack bei der sensorischen Einschätzung auch der Geruch, die Haptik, die Optik und die akustische Wahrnehmung mit eingeschlossen. So können Sie beim Mineralwasser Unterschiede schmecken, riechen, fühlen, sehen und hören. Letzteres geht natürlich nur, wenn es sich um unterschiedliche Kohlensäuregehalte handelt.

Sinneseindrücke beim Mineralwasser

Nicht jeder Mensch schmeckt nicht gleich intensiv. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass durchschnittlich im Alter die Intensität der Geschmackswahrnehmungen abnimmt. Kleine Kinder dagegen nehmen Sinneseindrücke am intensivsten wahr. Zudem gibt es im Durchschnitt Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Geschmackswahrnehmung. Meistens nimmt das weibliche Geschlecht unterschiedliche Geschmacksausprägungen deutlicher wahr, als das männliche. Allerdings spielen auch viele andere Faktoren, wie beispielsweise die Genetik, die aktuelle Gesundheit, die Einnahme von Medikamenten, der Genuss von Zigaretten oder die frühe Gewöhnung an scharfe Speisen eine Rolle, wie intensiv ein Geschmack wahrgenommen wird. Übrigens: die Wahrnehmung von Schärfe ist – physiologisch gesehen – keine Geschmackswahrnehmung, sondern ein Schmerzempfinden. Beim Mineralwasser reichen die Geschmacksnuancen von der salzigen Wahrnehmung über die säuerliche bis hin zum herben Geschmack. Teilweise wird auch ein Hauch von bitter wahrgenommen. Allerdings die Grundgeschmacksarten süß und umami werden Sie nicht im puren Mineral- oder Leitungswasser finden.

Die Glasform kann entscheiden

Egal, für welche Glasform Sie sich entscheiden, der Kohlensäuregehalt hat immer einen Einfluss auf die Geschmackswahrnehmung. Die Intensität des Prickelns im Mund lenkt ein wenig von dem reinen Wassergeschmack ab. Das Erfrischungsgefühl wird durch die Kohlensäure oftmals rein optisch und haptisch verstärkt. In schlanken hohen Gläsern hält sich die Kohlensäure länger. Je nachdem, was Sie geschmacklich herausstellen wollen, eignet sich eine unterschiedliche Glaswahl. Dünnwändige Gläser sorgen für ein besonders harmonisches Trinkgefühl. Je nach Glasrand kann sich das Fließverhalten des Mineralwassers ändern. Durch die Änderung des Fließverhaltens kann das Wasser unterschiedliche Bereiche auf der Zunge erreichen. Und der erste Bereich ist maßgebend für den ersten Geschmackseindruck. Zwar ist die Theorie, dass die Zunge in unterschiedlichen Bereichen ausschließlich ganz bestimmte Grundgeschmacksarten wahrnimmt, inzwischen widerlegt, aber es gibt dennoch Bereiche, die sensibler als andere für bestimmte Geschmackseindrücke sind. Durch einen leicht ausgestellten Glasrand kann das Wasser die Zungenspitze erreichen. Hier liegt eine besondere Sensibilität für die Geschmacksqualität süß vor. Somit wird das Wasser als milder wahrgenommen. Bei eher geschlossenen Gläsern fließt das Mineralwasser gleich zum hinteren Zungen- oder Gaumenbereich und verursacht hierdurch eine eher salzig-herbe Geschmackswahrnehmung.

Ein Wasserglastipp für Ihre Weihnachtsfeier: Wird Wasser als Begleitgetränk angeboten, eignen sich Gläser, die den Wassergeschmack zurücknehmen. Neben dem Wein macht es sich in einem eleganten Stielglas mit einer größeren Öffnung gut. Wird Wasser „pur“ gereicht, sollten Gläser mit einer kleineren Öffnung gewählt werden, um eine intensivere Geschmackswahrnehmung zu ermöglichen.