Luxuswasser: Lifestyle oder wirklicher Mehrwert?

//Luxuswasser: Lifestyle oder wirklicher Mehrwert?

Wie gesund Wasser für unseren Körper ist, haben wir mittlerweile verinnerlicht. Wir bestehen zu ca. 65 Prozent aus Wasser, kaum ein Vorgang in unserem Organismus, der nicht Wasser benötigt, um ordnungsgemäß ablaufen zu können. Allgegenwärtig sind Wasserflaschen in Variationen, bei der Arbeit, beim Sport, in Kinderhänden und auf Werbeflächen. Leitungswasser? Popelig. Regionales Mineralwasser – provinziell. Normal kann jeder. Wasser kann mehr als nur Getränk, Wasser ist gesundes Statussymbol und Lebenseinstellung geworden – zumindest, wenn man tiefer in den Geldbeutel greifen möchte. Doch wer profitiert davon? Der, der es trinkt?

Design-Luxus-Wasser

Kaum zu glauben, aber wahr: Es gibt sie, die swarovskibesetzten Wasserflaschen mit Bling-H2O aus den USA, das Hildon-Luxuswasser aus England oder das FIJI-Wasser von den gleichnamigen Inseln, die man nur etwas anders schreibt. Der erste Gedanke beim Lesen: Wow, schick. Denkt man weiter über das Gelesene nach, könnte sich durchaus eine Frage auftun: Wozu denn das?

Wir haben nur diesen einen Körper, und für den wollen wir das Beste. Er soll gesund und fit sein und ohne Zipperlein und Beschwerden unserem Geiste bis ins hohe Alter als Behausung dienen.

Wasser ist das Beste, was wir unserem Körper an Flüssigkeit zur Verfügung stellen können. Täglich zwischen 1,5 und 2 Liter, im Sommer etwas mehr, beim Sport gerne auch, und wir sind in punkto Gesundheit schon einen großen Schritt weiter. Gut, dass sich kaum noch jemand mit Softdrinkflasche auf die Straße geschweige denn ins Büro oder Fitnessstudio wagt. Aber muss es deshalb gleich die Glasflasche mit Glitzersteinchen sein? Oder das um die halbe Welt geflogene FIJI-Wasser? Was ist der Unterschied zum klaren Nass aus dem Discounter oder der Mineralquelle von nebenan?

Mehr als Luxus?

Was zeichnet sie aus, die Champagner unter den Wässern, die mittlerweile zum Statussymbol aufgestiegen und zum Accessoire für die Inszenierung der eigenen Wichtigkeit geworden sind? In erster Linie einmal der Preis. Die in Supermärkten erhältlichen Luxuswässer bewegen sich in einem preislich noch erträglichen Rahmen. Kauft man in erleseneren Gefilden, leeren dort die Hochkaräter unter den Premiumwässern das Konto: Für kanadisches Gletscherwasser der Marke 10 Thousand BC zahlt man für einen Dreiviertelliter 17 Euro, für eine Flasche Kona Nigari, eines der teuersten Wässer der Welt, ist man gleich um mehrere hundert Euro erleichtert.

Das FIJI-Wasser soll angeblich mittels eines besonderen Verfahrens abgefüllt werden und so beim Öffnen der Flasche erstmals mit der Erdatmosphäre in Kontakt kommen. Für Liebhaber von jungfräulichen Getränken vielleicht ein Mehrwert, der Gesundheit aber relativ egal. Diese profitiert viel eher von einem ausgeglichen mineralisierten Wasser, welches gut über den Tag verteilt getrunken wird. So bleibt der Körper ausreichend mit Flüssigkeit versorgt und bekommt einen Bonus an Mineralstoffen, die einen belohnen, wenn man in den Spiegel schaut.

Dieses Spiegelbild dürfte nicht ganz so gut aussehen, wenn man zuvor FIJI-Wasser getrunken hat, denn da müsste sich das schlechte Gewissen regen, und das macht sicher nicht schön. Allein die CO2-Bilanz des Transports dieses Wassers um die halbe Welt ist so verheerend, dass kein Schicki-Micki-Bonus dessen Kauf zu rechtfertigen vermag.

Kauft man Bling H2O aus Tennessee, wird es zumindest in einer handgefertigten und mit echten Swarovski-Kristallen besetzte Glasflasche geliefert. Rutscht Bling einem aus der Hand, macht es aber auch nur pling – das kann die heimische Glasflasche genauso gut. Angesichts der Tatsache, dass Bling H2O eben auch nur Mineralwasser enthält, welches es in heimischen Gefilden zuhauf und in unterschiedlicher Mineralisierung und Sprudelstärke gibt, investiert man hier vielleicht besser in den Swarovski am Finger oder am Ohr und probiert sich durch die heimische Wassertheke.

Wozu in die Ferne schweifen

Wasser ist immer noch Wasser und gut ist gut genug. Mehr als das ist zum Beispiel unser Leitungswasser. Als bestuntersuchtes Lebensmittel wird es frei von Schadstoffen zu sehr moderaten Preisen bis an die Haustür geliefert, kann in beliebig aufgehübschte Flaschen abgefüllt werden, nachdem wir es besprudelt haben. Je nach geografischer Herkunft enthält es mehr oder weniger Mineralstoffe. Ist einem das zu wenig, gibt es ca. 500 verschiedene Mineralwässer in Deutschland. Hier sind die regionalen Unterschiede, was Mineralstoffgehalt und Geschmack betrifft, groß, so dass für jeden Geschmack und für jedes Bedürfnis etwas dabei ist.

Hauptsache: Trinken!

Ob man nun wirklich das teure Prestigewasser aus Timbuktu braucht oder einfach heimisches Leitungs- oder Mineralwasser trinkt: Vorrangig ist, dies regelmäßig und ausreichend zu tun. So versorgt man den Körper mit genügend Flüssigkeit und Mineralstoffen, was förderlich für Gesundheit und Aussehen ist. Liegt einem viel am schönen Schein, darf es für den Alltagsgebrauch durchaus Etikettenschwindel sein, die Bling-Flasche ist schnell mal unter dem Wasserhahn gefüllt, wir wissen, was wir da trinken und das Gewissen kann sich ausruhen. Das ist dann wirklich Trinken mit Mehrwert.

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