Fasten multikulturell

//Fasten multikulturell

Fasching ist längst vorüber, nun zählt keine Ausrede mehr: Die Zeit des laissez-faire ist endgültig vorbei, die Fastenzeit ist in vollem Gange. Für den einen steht hierbei der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund, andere treten aus religiösen Gründen kürzer.

Jeder macht es anders

Bei den Christen dauert die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. Heute kann jeder für sich selbst entscheiden, wie er die Fastenzeit gestalten will. Die evangelische Kirche ruft regelmäßig zur Ihrer Aktion „sieben Wochen ohne“ auf – verzichtet werden darf auf Alkohol, Süßigkeiten oder Fernsehen.

Sehr viel strenger sind hier die Muslime. Gefastet wird im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondjahres. 30 Tage lang dürfen Muslime in dieser Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht essen, trinken oder rauchen.

Gesunder Verzicht?

Entweder völlig auf Essen verzichten oder den ganzen Tag weder essen noch trinken – geht das? Es funktioniert, schon seit Jahrhunderten. Ob es gesund ist, steht auf einem anderen Blatt. Ein Überleben ohne Essen ist wohl für einen Zeitraum von ca. 60 Tagen möglich. Da ist der Nahrungsverzicht in der heute praktizierten Fastenzeit ein Klacks und kann mit etwas Selbstdisziplin gut bewältigt werden.

Anders sieht es allerdings mit dem Verzicht auf das Trinken aus. Bereits ein geringfügiger Flüssigkeitsmangel kann Auswirkungen auf unseren Körper haben. Wasser ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Körpers. Bei Neugeborenen liegt der Wasseranteil noch bei 80 Prozent, bei älteren Menschen nur noch bei 50 Prozent. Nur weil unser Blut zu 50 Prozent aus Wasser besteht, kann es fließen. Wasser ist Bestandteil der Zellen und treibt das Gehirn an. Ohne Flüssigkeit könnten die Nieren als wichtigstes Ausscheidungsorgan des Körpers nicht richtig arbeiten, eine Muskelfunktion wäre nicht möglich, der Körper wäre Schachmatt gesetzt.

Trinkt man zu wenig, zeigen sich schon bei einem Wasserverlust von 0,5 bis 3 Prozent des Körpergewichts erste Warnsignale. Wir bekommen Durst, die Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Nimmt der Prozentsatz zu, kommen weitere Beschwerden wie Trockenheitsgefühl im Mund, verringerte Harnproduktion, nachlassende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit hinzu.

Gesund fasten

Möchte man gesund fasten, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr also wichtig, gleich, ob man völlig auf Nahrung verzichtet und trinkt oder tagsüber enthaltsam lebt und dafür nachts Essen und Trinken nachholt.

Verzichtet man während des Fastens völlig auf Nahrung, sollte die tägliche Trinkmenge über der gewohnten liegen. Für den normalen Alltag wird eine Menge von 1,5 bis 2 Liter pro Tag empfohlen. Beim Fasten sollte zusätzlich ca. ein Liter getrunken werden, der die Flüssigkeit ersetzt, die wir normalerweise mit der Nahrung zu uns nehmen. Dies kann während des Fastens einiges an Disziplin erfordern. Durch die Umstellung auf den Hungerstoffwechsel verspürt man irgendwann keinen Hunger und Durst mehr. Ist der Mund so trocken, dass man deshalb zum Glas Wasser greift, oder verspürt man schon Kopfschmerzen, befindet sich der Körper am Beginn der Dehydrierung. Soweit sollte man es nicht kommen lassen. Deshalb macht man es sich beim Fasten besser zur Gewohnheit, über den Tag verteilt in regelmäßigen Abständen ein Glas Wasser zu trinken.

Wer sonst gerne zu gesundem Leitungswasser greift, sollte während es Fastens auf Mineralwasser und Gemüsesäfte umsteigen. So werden dem Körper ausreichend Mineralien zugeführt, die für dessen reibungsloses Funktionieren unverzichtbar sind.

Wasserreiche Nahrung

Fastet man nach Geboten, die das Trinken am Tage untersagen, kann man das nächtliche Auffüllen der Wasserspeicher zusätzlich unterstützen. Indem man wasserhaltiges Obst und Gemüse zu sich nimmt, führt man dem Körper die am Tage verlorene Flüssigkeit so auch mit dem Essen zu. Geeignet sind hier Gurken, Tomaten oder Wassermelonen, alternativ Salate und Karotten. Letztere enthalten zusätzlich noch Quellstoffe, die Wasser über längere Zeit im Körper speichern. Verzichtet werden sollte auf Kohlgemüse und Kartoffeln. Diese Nahrungsmittel wirken harntreibend und entwässern den Körper zusätzlich. Getrocknetes Obst, Fleisch und Fisch sowie kohlenhydrathaltige Lebensmittel enthalten wenig Flüssigkeit, führen dem Körper dafür die benötigte Glucose sowie Fette und Mineralien zu. Auf harntreibende Getränke wie Kaffee, Tee oder Alkohol sollte man in der Fastenzeit verzichten, da die ersetzte Flüssigkeit sonst gleich wieder verloren gehen würde.

Fasten ja, aber bitte mit Verstand

Wer seiner jeweiligen Tradition folgen und Fastengebote beachten möchte, sollte dies mit Verstand tun und die essentiellen Bedürfnisse seines Körpers beachten. Gegen Nahrungskarenz über einen längeren Zeitraum spricht nichts, solange man ausreichend trinkt oder die Zeit des Fastenbrechens dazu nutzt, den Körper ausreichend mit Wasser zu versorgen. Trinkt man nicht zu viel auf einmal, sondern in regelmäßigen Abständen kleinere Mengen, ist eine gute Hydrierung über den Tag gewährleistet. Folgt man strengeren Fastenregeln, müssen während der Zeit, in der gegessen und getrunken werden darf, Depots geschaffen bzw. aufgefüllt werden. Wird der Körper in der Fastenzeit so mit ausreichend Flüssigkeit unterstützt, ist Fasten, was es ein soll: Eine Pause für Körper und Seele.

2018-02-28T12:22:27+00:0028. Februar 2018|Tags: , , , |0 Comments

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